Ehrenvorsitzender der Kreiswasserwacht

Hans Deißenberger mit dem Bild des Karikaturisten Hans Reiser
Es kommt nicht oft vor, dass jemand einer Organisation wie dem Roten Kreuz 60 Jahre lang aktiv die Treue hält. Wenn derjenige dann auch noch beinahe alle Funktionen ausgefüllt hat, ist das eine besondere Auszeichnung wert. Hans Deißenberger wurde für diese Dienste nun zum Ehrenvorsitzenden der Kreiswasserwacht Bad Tölz-Wolfratshausen ernannt. Gleichzeitig bekam er ein Bild des Karikaturisten Hans Reiser überreicht. Begonnen hat das Engagement im Januar 1952. Als er mit 17 Jahren miterleben musste, wie eine Frau ertrinkt, stand sein Entschluss fest, bei der Wasserwacht aktiv zu werden. Aufgewachsen in Würzburg hat es ihn als 23-jährigen beruflich nach Lenggries verschlagen, wo er auch seine spätere Frau kennenlernte. In dieser Zeit wurde die Basis für die Wasserwachtarbeit geschaffen. Hans Deißenberger dachte sich: „Lieber bringe ich den Leuten früh das Schwimmen bei, dann muss ich später nicht so viele retten“. Getreu diesem Motto hat er Jahr für Jahr zusammen mit den Lehrern der Grundschule Lenggries den Kindern das Schwimmen gelernt. Zu dieser Zeit war es normal, dass man in Zelten am Ufer genächtigt und Verunglückte mit Schwimmbrettern vom See gerettet hat. Hier eine Verbesserung zu erzielen, lag ihm besonders am Herzen und so waren Deißenberger die Planung und der Bau einer Wasserwacht-Hütte am Walchensee ein besonderes Anliegen. Dieser Enthusiasmus ist auch auf die Familie übergesprungen und ging sogar soweit, dass seine Söhne schon mal diese Wasserwacht-Hütte als Wohnsitz angeben wollten. Dank seiner Beharrlichkeit sind technische Neuerungen immer mehr ins Leben der Wasserrettung eingezogen. Nicht nur Funkgeräte oder große und schnelle Rettungsboote waren sein Verdienst, ihm ist auch das erste Einsatzfahrzeug im Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen zu verdanken, ein Sanitäts-Unimog der Bundeswehr. Dorthin hatte er ebenso gute Kontakte, wie zu den in Bad Tölz stationierten Special Forces. Er wusste diese Beziehungen geschickt zu nutzen und hat die Taucher der Streitkräfte in Übungen und Einsätze integriert. Dafür gab es technische Ausrüstung und sonstiges Material wie Decken, Spinde, Betten oder Geschirr für die weitere Umsetzung seiner ehrgeizigen Ziele. Ob die eigene Familie immer begeistert von seinen akribischen Planungen war, ist nicht abschließend bekannt. Die Präzision hat sich aber voll in den privaten Bereich durchgeschlagen. Witzelnde Zungen behaupten sogar, dass er die samstäglichen Einkäufe mit einem Clipboard organisiert und Radieschen mit einem Theodolit gesät hat. Sicher ist jedoch, dass Hans Deißenberger früh an die Zukunft gedacht und seine beiden Söhne in die Wasserwacht integriert hat. Thomas Deißenberger leitet eine der drei SEGs (Schnelleinsatzgruppen) im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und führt somit die Tradition der Deißenbergers beim Roten Kreuz fort. von Stefan Geisenberger